TACHELES 2024 | Spannende zweite Auflage der TACHELES-Konferenz in Karlsruhe

Mitreden beim Thema Generative KI für autonomes und vernetztes Fahren

Karlsruhe, 20.06.2024 – Bei der zweiten TACHELES-Konferenz des FZI Forschungszentrum Informatik am 18.06.2024 drehte sich alles um das Thema Generative KI für autonomes und vernetztes Fahren. Die rund 100 Teilnehmenden im CyberForum in Karlsruhe bekamen spannende Vorträge zu hören und zu sehen, konnten sich in Paneldiskussionen einbringen, ihr Netzwerk erweitern und waren aufgefordert, in Workshops konkrete Fragestellungen zu Schlüsselthemen der generativen KI für AVF zu bearbeiten. Es war ein intensiver Konferenztag für alle Beteiligten.

Während die erste Auflage von TACHELES – die andere Konferenz zum autonomen und vernetzten Fahren im vergangen Jahr das Thema Homologation von Level 3- und Level-4-Systemen und -Fahr-zeugen in den Blick nahm, griff die diesjährige Fachveranstaltung die allgegenwärtige generative KI auf und was sie für das autonome und vernetzte Fahren auf Level 4- und Level-5 bringen kann. Die Versprechen die mit generativer KI einhergehen, sind nämlich riesig und es steht die These im Raum, dass sie das autonome Fahren revolutionieren könnte. Die Konferenz ging der Frage nach, ob wir womöglich nur einem weiteren Hype erliegen oder ob die Universaltechnologie entscheidende neue Chancen eröffnet, die wir auf dem Entwicklungsweg des automatisierten Fahrens auf die höheren Level 4 und 5 brauchen.

Vorträge mit spannenden Einsichten

Sascha Pallenberg, renommierter Tech-Blogger, zeigte in seiner Keynote eindrucksvoll die technische Entwicklung der Rechenleistungen der letzten 15 Jahre und vermittelte einen Eindruck davon, was mit heutigen KI- und Chip-Technologien möglich ist und wird – von vollautomatischen Produktionsprozessen über autonomes Fahren bis hin zu globalen Wettervorhersage-Modellen. In den anschließenden beiden Fachvorträgen von Axel Gern und Jan Zawadzki stand dann das autonome Fahren im Mittelpunkt. In ihren Präsentationen machten die beiden deutlich, wie generative KI die weitere Entwicklung beeinflussen kann und vor allem dem Versprechen der europäischen Automobilindustrie in die Hände spielt, sicheres autonomes Fahren auf die Straße zu bringen. Auch die Player in China und USA stoßen hier technisch derzeit an ihre Grenzen.

Kontroverse Paneldiskussion mit Publikumsbeteiligung

Um diese und weitere Themen drehte sich auch die anschließende Paneldiskussion, an der sich als weitere Expert:innen Tille Rupp von Porsche Engineering, Rebekka Görge vom Fraunhofer IAIS und Prof. Tim Fingscheidt von der TU Braunschweig beteiligten. Philipp Franke als Vertreter des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg und Schirmherr von TACHELES brachte die politische Komponente in die Diskussion ein. Auch das Publikum konnte seine zahlreichen Fragen und ergänzendes Wissen im knapp einstündigen Programmpunkt unterbringen.

Hitzige Workshops zu Metriken, Simulation und Rahmenbedingungen

Nachmittags stand die gemeinsame Arbeit in drei Themenworkshops auf dem Programm. Der TACHELES-Programmbeirat hatte bei generativer KI für autonomes und vernetztes Fahren die Themen Metriken („Wer misst, misst Mist“), Simulation („Generative KI für Simulationen im autonomen Fahren: Anforderungen, Potenziale und Grenzen“) sowie Rahmenbedingungen („KI technisch und regulatorisch erfolgreich im Automobilumfeld umsetzen“) für die Agenda gesetzt. Besonderen Zuspruch erfuhr der Simulations-Workshop, da die Möglichkeiten mittels generativer KI synthetische Daten zu erzeugen und so nach Belieben Verkehrsszenarien zu erstellen und zu testen sehr vielversprechend sind und Industrie und Wissenschaft entsprechend umtreibt. Nicht zuletzt hat dieser Workshop deutlich gemacht, wie groß der Bedarf nach gemeinsamen Standards für die breitere Verwendung der simulierten Daten ist.
Im anschließenden Workshop-Panel konnten sich alle Teilnehmenden noch einmal einen Überblick über die Herangehensweisen in den Workshops, die identifizierten Painpoints und Aha-Momente verschaffen. Auch erste Ideen für Handlungsempfehlungen wurden vorgestellt, verbunden mit dem Appell, auf diesen wichtigen Diskussionen aufzusetzen und sie weiterzuführen – sei es in Forschungsprojekten, Arbeitsgruppen oder interdisziplinären Challenges.
Sichtlich zufrieden schloss Marius Zöllner als FZI-Gastgeber die zweite TACHELES – die andere Konferenz zum autonomen und vernetzten Fahren. Er sprach sich für eine nächste Ausgabe 2025 aus und rief gleichzeitig dazu auf, Themenvorschläge einzubringen.

(Fotos: ©FZI Forschungszentrum Informatik, Fotograf Paul Gärtner)

Agenda 2024

Moderation
Cornelia Denk, BIT Technology Solutions GmbH
Dr.-Ing. Miriam Ruf, KAMO: Karlsruhe Mobility / Fraunhofer ICT
08:45Registrierung
09:30Grußwort des Schirmherrn

Philipp Franke, Abteilungsleiter Mobilitätszentrale, vernetzte und digitale Mobilität, Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg
09:40Begrüßung des Gastgebers

Prof. Dr.-Ing. J. Marius Zöllner, FZI Forschungszentrum Informatik und Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
10:00Keynote – Game Changer Generative KI: Euphorie, Angst, egal?

Sascha Pallenberg, Tech-Blogger
10:30Perspektive 1: Erstmal machen – “Move fast and break things”

Dr. Axel Gern
10:45Perspektive 2: AI’s Loose Screw Problem: Making AI Work in Automotive

Jan Zawadzki, CertifAI GmbH
11:00Pause
11:30Panel- und Publikumsdiskussion: Was können wir und wo stehen wir bei Generativer KI?
Was heißt das mit Blick auf die zentralen Herausforderungen des autonomen Fahrens?
Wie gut sind wir positioniert hinsichtlich der Themen, Daten, Sicherheit, Rechenleistung, … ?
12:30Pitches zu den Workshop-Themen
12:45Mittagspause
14:15 Workshop Sessions mit Impulsvorträgen
1. Metriken: Wer misst misst Mist
Dr.-Ing. Matthias Schreier, Continental AG
Prof. Dr.-Ing. Tim Fingscheidt, TU Braunschweig

Darum geht es
Metriken haben einen entscheidenden Einfluss auf das Design, die Entwicklung und die Optimierung von KI-Modellen im Bereich des automatisierten Fahrens, da sie die Ziele und Prioritäten für die Modellentwicklung festlegen und sicherstellen, dass das Modell die erforderliche Leistung und Sicherheit bietet.
Welche Metriken gilt es genauer anzuschauen, um die Vorteile Generativer KI für die Entwicklung automatisierter Fahrfunktionen voll ausspielen zu können?
Welche Metriken sind wirklich relevant und sind Zwischenmetriken einzelner Komponenten des „Automated Driving Stacks“ (z.B. Perzeptions-Metriken) Teil der Lösung oder eher Teil des Problems?
2. Simulation: Generative KI für Simulationen im autonomen Fahren: Anforderungen, Potenziale und Grenzen
Tille Karoline Rupp, Porsche Engineering Services GmbH
Dr. rer. nat. Jan Hendrik Metzen, Robert Bosch GmbH

Darum geht es
(Echtzeit-)Simulation und Generative KI können in verschiedenen Bereichen zusammenwirken, um realistische und komplexe Szenarien zu erstellen, zu analysieren und zu optimieren, insbesondere in Bereichen, in denen reale Daten schwer zu sammeln oder teuer zu generieren sind. Die Integration Generativer KI in Simulationen kann dazu beitragen, die Homologation und Zulassung von KI-Systemen zu verbessern, indem sie realistische Testumgebungen und Szenarien bereitstellen, die eine umfassende Validierung und Zertifizierung ermöglichen.
Was bedeutet das Versprechen in der Realität? Was sind die Pain Points und wie können sie gelöst werden?
3. Rahmenbedingungen: KI technisch und regulatorisch erfolgreich im Automobilumfeld umsetzen
Jan Zawadzki, CertifAI GmbH
Rebekka Görge, Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS)

Darum geht es
Der EU AI Act und sektorale Regulierungen legen die Rahmenbedingungen für die Nutzung von KI im Bereich des automatisierten Fahrens fest: Was sind die regulatorischen Anforderungen an die Nutzung von KI, welche Sonderregeln gibt es für generative KI und wie können die Anforderungen effektiv operationalisiert werden?
Die Anwendung von (generativer) KI im und um das autonome Fahrzeug kann unter anderem dazu beitragen, die Effizienz, Vielfalt und Genauigkeit der Zulassungsprüfung von KI-Systemen für das automatisierte Fahren zu verbessern. Dies geschieht beispielsweise durch die Erweiterung der Testdaten, die Simulation komplexer Szenarien und die Generierung von Corner Cases.
Gleichzeitig verstärken sich durch die Nutzung von generativer KI bestehende Risiken. Wie können Risiken von KI identifiziert, getestet und abgesichert werden, um eine sichere Nutzung unter Einhaltung regulatorischer Anforderungen zu gewährleisten?
16:15Pause
16:45Paneldiskussion mit Workshopergebnissen und Perspektive im Klartext
17:30Verabschiedung

Prof. Dr.-Ing. J. Marius Zöllner, FZI Forschungszentrum Informatik
DanachAfter Work im Smart Production Park